INTERVIEW JANA MALZKORN

Im Rahmen unserer LET’S SKATE QUEER Ausstellung am 01.09.2018 bei der coVen im AZ-Köln haben wir u. a. Jana Malzkorn von der Skateboard Initiative Dortmund zum Interview gebeten. Nun könnt ihr das Ganze nochmal in Ruhe online nachlesen. Here we go!

janamalzkorn02
Wo ne Bowl ist, kann Jana nicht weit sein

Wann und wie bist du zum skaten gekommen?
Ich bin irgendwann um das Jahr 2011 mit Anfang 20 zum skaten gekommen, über meinen damaligen Partner. Ich hatte keine Lust „nur“ zuzuschauen und dachte mir, das will ich auch können!

Gibt es bestimmte Menschen, die dich besonders geprägt und motiviert haben zu skaten?
Es gibt viele Menschen, die mich auf dem Brett motivieren. Eigentlich motiviert mich jede Person, mit der ich eine gute Session habe in dem jeweiligen Moment immer besonders. Vor allem dann, wenn es dabei um den Spaß beim Rollen geht, auch dass jede*r selbst das Beste aus sich heraus holt und es nicht darum geht, wer besser ist. Dann gibt es z. B. Vicky Winde, mit der ich von Anfang an zusammen skate – sie hat mir gezeigt, dass es auch darum geht, hinzufallen, aufzustehen und einfach weiterzumachen, die eigenen Grenzen auszutesten und seine Angst zu überwinden. Auch mein damaliger Partner, mit dem alles anfing, hat mich schon sehr geprägt in meiner Einstellung zum Skateboardfahren, es nicht darum geht Trick A oder B zu können, sondern andere Sachen einfach wichtiger sind. Dann meine ganzen Freunde, die ich über das Reisen überall auf der Welt kennengelernt habe, die ich leider in sehr unregelmäßigen Abständen treffe und mit denen mich dann das Rollen umso mehr motiviert.

janamalzkorn03
Suchbild: Wo ist Walter?

Was bedeutet Skateboarding für dich persönlich?
Skateboarding ist für mich ein Lebensgefühl und nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Ich bin über die Jahre daran gewachsen, habe meine eigenen Grenzen ausgetestet und erweitert, was auch ziemlich gut auf das „normale“ Leben projiziert werden kann. Ich habe angefangen, die Welt mit anderen Augen zu sehen und auch mich selber noch einmal neu kennengelernt und weiterentwickelt.

Wie ist es für dich, bei Contests vor so vielen Leuten und den Judges in der Rampe abzuliefern?
Wenn es so was wie die Lohseparty in Köln ist, bei der die Stimmung immer der Hammer ist und ich auch die Menschen kenne, die mit dabei sind oder das Ganze organisieren, ist das recht einfach. Ich mag es, mit wie viel Herzblut der Event organisiert wird und denke, das muss unterstützt werden! Auch finde ich es wichtig, dass gerade dort sich wirklich Mühe gegeben wird, auch eine richtige Mädels*-Sektion auf die Beine zu stellen und wir damit mitten dabei und nicht nur einfach irgendwie reingequetscht werden, was auch immer noch oft passiert. Da skate ich dann einfach mit! Auch lasse ich mich gerne von der besonderen Contest-Stimmung mitreißen und freue mich darauf, mit Menschen zu skaten, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Die Zuschauer*innen bekomme ich irgendwann gar nicht mehr mit, sondern realisiere erst danach, wie viele da eigentlich zugeschaut haben. Diese Nervosität bzw. das Adrenalin in so einer Situation und dass ich irgendwie „gezwungen“ werde, mein Bestes zu geben, um einen herum alle auch 150% liefern, das ist einfach der Wahnsinn. Ich kann aber auch nicht einfach irgendwohin hinfahren um anderen beim skaten zuzuschauen – da muss ich schon mitmachen, sonst kribbelt es mir einfach zu sehr in den Füßen.

janamalzkorn04
Jana lässt die Grenzen wie ein Chamäleon verschwimmen

Was machst du, wenn du nicht gerade auf dem Brett stehst?
Gerade mache ich meinen Master in Szenografie und Kommunikation – grob gesagt ist das interaktive Raumgestaltung für öffentliche Räume, sowas wie Bühnenbild, Ausstellungsdesign. Gerade bereite ich mich langsam aber sicher auf meine Masterarbeit vor und bin da schon ganz schön aufgeregt, auf das was danach kommen wird. Neben dem Studium habe ich ein kleines Kollektiv mit zwei Kommilitoninnen zusammen, wir machen Tape-Art. Heißt, wir kleben mit buntem Tape den Boden, die Wände etc. an. Ich versuche viel unterwegs zu sein, habe aber auch da immer mein Brett dabei. Dann arbeite ich neben dem Studium in der Skatehalle Dortmund und organisiere dort ehrenamtlich schon seit über zwei Jahren die Mädels*-Skatesession. Gerade bin ich aber ziemlich in den Bau eines D.I.Y-Skateparks am Dortmunder U eingespannt, von der Organisation bis zum selber betonieren, helfe ich wo ich nur kann. Also an sich hat schon ziemlich viel meiner Zeit in der ich nicht auf dem Brett stehe doch irgendwie mit dem Rollbrett zu tun.

Wie kam es eigentlich zu dem D.I.Y-Skatepark und wie geht es mit dem Projekt weiter?
Die Idee irgendetwas zu machen, gab es schon länger in der Szene in Dortmund. Witzigerweise ist es dann einfach so passiert, dass ein wichtiger Mensch der Stadt auf die Skateszene zugegangen ist und gefragt hat, ob wir nicht Lust haben, den Platz hinter dem U für einige Zeit zu Nutzen und dort etwas hinzubauen. Momentan haben wir einen Nutzungsvertrag der erstmal bis Ende Oktober läuft. So wie es aussieht, kann es aber schon sein, dass wir etwas länger auf dem Platz bleiben dürfen. Trotz allem ist das keine Dauerlösung, da letztens Ende dieser Platz bebaut wird. Wir erhoffen uns mit dem ganzen Engagement der letzten Wochen & Monaten und dem was wir da geschafft haben natürlich, dass die Stadt sich wieder kooperativ zeigt und uns einen neuen Platz zur Verfügung stellt. Solange wir aber bleiben können, bleiben wir und bauen weiter!

janamalzkorn05
Layback Shuffle to Fakie en masse!

Empfindest du es als wichtig, dass es Sessions nur für Mädchen* & Frauen* wie bei euch in der Skatehalle gibt und wer kann dabei mitrollen?
Ich selber habe ja relativ spät angefangen zu skaten und gemerkt, wie wichtig mir solche Sessions gerade am Anfang waren, um mich wohler auf dem Brett zu fühlen. Das möchte ich nun zurückgeben. Es soll einen Raum schaffen, in dem sich jede*r ausprobieren kann, um sich dann bei normalen Betrieb in der Menge zurechtzufinden. Wie der Name es ja schon sagt, dürfen bei der Session Mädchen* und Frauen* mitmachen. Mir selber fällt es schwer, da einen Strich zu ziehen und zu sagen, du darfst, du darfst nicht – gerade deswegen muss ich das irgendwie definieren. Auch damit nicht der „typische“ Cis-Skaterboy in die Halle kommt und denkt, es ist jetzt schön leer, jetzt darf ich mich austoben – was ihm wahrscheinlich doch auch schwer fallen würde, denn im Winter sind wir schon mal 20 – 30 bei der Session.

Was denkst du, geht in sachen FLTI*-Skateboarding? Gibt es hier derzeit eine Entwicklung?
Ich finde gerade zurzeit passiert da richtig viel in der Szene, die Rollenbilder allgemein lösen sich auf. Skateboardfahren und alles was dazugehört ist doch oft noch relativ steif und vorgeformt, du musst diese bestimmte Sachen tragen, so oder so aussehen. Das gibt es immer weniger und hilft auch dem FLTI*-Skateboarding immer mehr hervorzutreten. Auch durch die sozialen Medien gibt es soviel Zugriff auf unterschiedliche Vorbilder. Ich entdecke selber quasi wöchentlich neue Menschen, die mich unglaublich inspirieren beim Skateboardfahren. Die Szene gerade im Female*-Skateboarding wird immer mehr gepusht – wobei ich mich selber auch Frage, ist das nicht einfach nur neues Futter für die Marken? Bis jetzt war Skateboardfahren cis-männlich dominiert und dadurch, dass die alternative Szene immer mehr wächst, werden die Firmen darauf aufmerksam, natürlich mit einem ganz bestimmten Hintergedanken, mehr Geld zu machen. Doch auch das sehe ich positiv, endlich löst sich das starre Bild des typischen Skaters auf! Darauf, dass es egal ist, wie du aussiehst, auf was für ein Geschlecht du stehst oder wie du Skateboard fährst und noch viel mehr – Hauptsache du hast Spaß beim Rollen 🙂

>> Jana Malzkorn @ Instagram
>> enterTAPEment Website
>> Utopia – DIY Skatepark Dortmund @ Facebook
>> Skateboard Initiative Dortmund Website

Interview: xJx / Fotos: Martin Kretzschmann, Marie Dabbadie, Roxy & Vero

Advertisements