THE MALADRO!TS FEAT. BIKE AGE

Im Hinblick auf den GBZ & SZR Easter Punkrock Jam am 31. März in der Hegel 7 in Tübingen, haben wir unsere beiden Gäste The Maladro!ts und Bike Age für ein kleines Kennenlernen zum Interview gebeten. Der Clou dabei: Nicht wir haben das Interview geführt, sondern beide Bands haben sich jeweils gegenseitig zehn Fragen gestellt und beantwortet.

Nach dem grandiosen Interview mit The Maladro!ts, stellten sich nun Bike Age aus Stuttgart ihrerseits den Fragen der Maladroiden und tischten dabei ordentlich auf. Unterhaltung garantiert!

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„Kommt ihnen eines dieser Gesichter bekannt vor?“

Hallo Bike Age! Wie lange gibt’s Euch bereits und wer ist alles mit dabei? Es wird da was von „vier bekannten Gesichtern diverser Stuttgarter Hardcore-Bands“ gemunkelt.
Uns gibt es etwa 1 Jahr. Kai, Marc, Dave und Bonzo. Wer von uns wer ist und welches Instrument spielt, müsst ihr noch herausfinden. Ob wir bekannte Gesichter sind, weiß ich nicht, aber wir spielen oder haben in Punk / Hardcore Bands aus Stuttgart und Umgebung gespielt – Obtrusive, Empowerment, Collide&Discord, Pessimistic Lines, Day to Daze etc. Wer von uns da in welchen Bands spielte oder spielt, auch das müsst ihr am 31. März herausfinden. Das entwickelt sich mehr und mehr zu einer Schnitzeljagd.

Über die Descendents müssen wir nicht diskutieren, die sind fantastisch. Aber warum gerade „Bike Age“ und nicht z. B. „I Wanna Be A Bear“?
Hahaha, „I Wanna Be A Bear“ klingt eigentlich auch sehr geil. Wir sollten uns überlegen, die Band doch noch einmal umzubenennen. Ehrlich gesagt, ich (Bonzo) habe den Song das erste Mal mit 14 oder 15 Jahren gehört und dachte mir, es kann keinen besseren Song als diesen geben! Zu diesem Zeitpunkt nicht und auch in Zukunft nicht. Allerdings wurde ich im Laufe der Jahre eines Besseren belehrt, als Descendents weitere Platten rausgebracht haben. Aber der Song ist schon eine Hymne für diese Zeit. Es gibt bei der Auswahl des Bandnames keinen direkten Bezug auf den textlichen Inhalt des Songs (Drogenkonsum, Prostitution…).
„Wir als Band verstehen unter dem Bandnamen eher eine Konfrontation mit der damaligen Zeit als wir noch Kids und in unserem Denken und Tun freier waren oder uns zumindest freier fühlten und der heutigen Zeit, in der wir uns als „erwachsene“ und teilweise „angepasste“ Menschen mit alltäglichen Herausforderungen auseinanderzusetzen haben. Es ist zudem ein Versuch dieses kindliche Gefühl des Freiseins nicht zu verlieren und gleichermaßen auf die Gegenwart zu übertragen.“
(Originalauszug aus einem Interview, welches wir letztes Jahr gemacht haben, hahahaha).

Euer Tape heißt „Beer Is My Cup Of Tea“. Müssen wir uns mit Euch ums Backstagebier prügeln oder teilt Ihr liebevoll mit uns?
Also wir teilen natürlich gern mit Euch. Allerdings sollte ausreichend Bier übrig bleiben, um den Rucksack voll zu machen, dass wir die „lange“ Heimfahrt auch überstehen. Ansonsten sind wir sehr gesellige Menschen und zu allem bereit.

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Ein paar Tattoos würden den Boyz von Bike Age auch ganz gut stehen

Von unserer Seite erwarten Euch (mindestens) zwei Schnarcher und mit seniler Bettflucht ist zu rechnen. Was kommt da so auf uns zu?
Schnarchen ist der Hass! In der Regel wurden bis dato alle Menschen, die in irgendeiner Form geschnarcht, gegrunzt, geschnappatmet, gewinselt, genäselt oder geröchelt haben aus den Übernachtungsräumen verbannt. Bike Age allerdings schnarchen nicht, haben noch nie geschnarcht und werden auch nie schnarchen. Niemals und unter keinen noch so gearteten Umständen. Das reden wir uns zumindest selbst ein. Auf Klo müssen wir nachts aber schon immer mal wieder – sind ja schließlich auch nicht mehr die Jüngsten. Das Problem des erholsamen Nächtigens ergibt sich eher daraus, dass wir lang wach bleiben, unfassbar laut reden und über den größten Scheiß stundenlang lauthals diskutieren und lachen. Kann schon auch nervig sein, glaub ich.

„Stuttgart Stuttgart – Spießerstadt! Ach, wie hab ich Stuttgart satt!“ – Haben WTZ recht, oder gibt’s doch was Positives über Stuttgart zu berichten?
WTZ haben mit ihrem Liedtext von damals auch heute noch in gewisser Weise recht. Vielleicht sogar noch mehr als damals, als der Song rauskam. Stuttgart ist und bleibt gewissermaßen eine Spießerstadt. Die Königstraße oder die Theo sind für uns NoGo Areas. Hier herrscht ein Überfluss an Konsumgütern, menschlichen Marionetten und die Globalisierung ist förmlich zu spüren. Falls ich doch einmal dorthin muss, aufgrund eines Arzttermins, bewege ich mich versteckt und schleichend wie ein Wiesel (Hahaha, ich hab es grad vor Augen). Im Gegenzug hat Stuttgart doch noch einige subkulturelle Räume zu bieten, in denen man sich in jeglicher Form künstlerisch ausdrücken kann, ohne dabei dem konservativen und traditionell behafteten Gegenüber auf den wohl gebügelten Schlips zu treten. Leider sind über die Jahre einige dieser Möglichkeiten abhandengekommen bzw. dem Erdboden gleichgemacht worden, z. B. durch „Stuttgart 21“. Trotzdem gibt es genügend Menschen in dieser Stadt, die dafür kämpfen solche Freiräume entstehen zu lassen oder bestehende Freiräume zu erhalten. Somit kann man auch immer mit einem guten Gefühl die Straßen dieser Stadt begehen.

In welcher Stadt und in welchem Club MUSS man als Punk- / Hardcoreband unbedingt mal gespielt haben? Plaudert mal aus dem Tournähkästchen!
AK 47 in Düsseldorf, K9 in Berlin, Rote Flora / Hafenklang / Hedi in Hamburg, Limes / Club Scheisse / Sonic Ballroom in Köln, Goldmarks / Lilo Hermann Haus / Juha West in Stuttgart, Haus Mainusch in Mainz, Epplehaus in Tübingen, Sunny Red in München und Desi in Nürnberg!

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Drummer führen häufig ein Schattendasein

Apropos Tournähkästchen: Welche Musik läuft bei Euch im Auto / Bus? Gibt es eine Band / Musikrichtung auf die Ihr Euch alle einigen könnt, oder gibt’s da heftigen Streit?
Streit gibt’s nur, wenn es um Bier oder das Heimfahren geht. Geht es um Musik, haben wir alle einen sehr ähnlichen Geschmack. Punk, Hardcore, Metal, Rap, Ska, Miley Cirus und natürlich Adriano Celentano. Ska is eher so mein Ding. Dafür werde ich von einigen verabscheut, was ich bis heut einfach nicht verstehen kann. Ist doch spitzen Musik, schön rhythmisch und der Off-Beat dazu – ein Traum. Ich werde es weiterhin hören, egal, was die anderen sagen, hahaha!

Welche Bedeutung hat Politik für Euch privat und als Band und warum ist Euer Skateboard wichtiger als Deutschland?
Ich mach da keinen Unterschied, welchen politischen Standpunkt die Band oder die einzelnen Personen privat einnehmen oder vertreten, da wir uns da grundsätzlich einig sind und einen gemeinsamen Weg gehen. Wir verorten uns ganz klar links. Als Band wie auch privat. Wir haben keinen Bock auf Homophobie, Sexismus, Rassismus, Faschismus, Ausgrenzung von Menschen in besonderen Lebenslagen oder geflüchteten Menschen etc. und gehen mit Menschen, die solches Gedankengut vehement als eine Leitkultur verfolgen, in’s Gespräch, soweit dies möglich ist, um Aufklärung zu betreiben. Der Rechtsruck hat über die letzten Jahre weiter zugenommen und bekommt immer mehr Zuspruch aus der Bevölkerung. Die AfD als nationalkonservative Partei bspw. wirbt mit plakativen Statements und einfach zu verstehenden Schlagwörtern. Menschen, die sich durch andere Menschen, die aus Leid, Armut, wirtschaftlichen Bedingungen usw. ihre Heimat verlassen / verlassen mussten, bedroht fühlen und daraufhin aus Angst gegen diese Menschen mit physischer und psychischer Gewalt vorgehen, bietet die AfD mit ihren „Programm für Deutschland“ für solch „besorgte Bürger“ Nährboden. Die Wahl-Prognosen und –Ergebnisse haben dies über die letzten Jahre angedeutet. Es ist nun immens wichtig, dass diese Entwicklung reflektiert, betrachtet und hinterfragt wird. In jeder Situation und zu jeder Zeit. Unsicherheiten lassen sich nehmen und Ängste lassen sich abbauen. Es geht in erster Linie um Menschlichkeit, Respekt und soziokulturelle Offenheit. Dies werden wir privat und als Band weiterhin verfolgen und uns Menschen, die eine solch bunte Vielfalt nicht respektieren, entgegenstellen. Wählen gehen wir natürlich und Demos besuchen wir auch, egal in welcher Stadt wir sind. Als Schlusssatz: Das Skateboard übrigens, ist nicht nur wichtiger als Deutschland.

Welchen Song würdet Ihr gerne mal covern, habt Euch bisher aber nicht getraut und wieso?
Eigentlich würden wir gern etwas von Propagandhi covern, scheitern aber meist schon daran, welcher Song es denn sein könnte. Haben wir uns für einen Song entschieden, merken wir schnell, dass wir es auch in 20 Jahren mit täglichem exzessiven Proben nicht hinbekommen würden, den Song einigermaßen bühnentauglich zu spielen. Also lassen wir es.

Hättet Ihr lieber Bohrmaschinenhände oder Rollschuhfüße (für immer!)? Und warum?
Ganz klar Bohrmaschinenhände. Als bekennende Skateboarder sind alle Formen von Rollschuhen oder Inline Skates ein NoGo (Der Begriff NoGo fällt nun schon zum zweiten Mal in diesem Interview. Bei der dritten Erwähnung müsst ihr uns ne volle Kiste Bier ausgeben). Bohrmaschinenhände sind auch weitaus wirksamer im Kampf gegen die Zombie Apokalypse, die uns in naher Zukunft erwarten wird. Des Weiteren machen Bohrmaschinen überaus viel Krach. Heißt, man könnte auch ohne Hände mit jeweils fünf Fingern in einer Metal Band oder einer Garage Band (Hahaha, der passt gut) spielen: „… an den Drums: Mario „The Hammer“ Müller und an den Bohrmaschinen: Marcel „The Drilling Machine“ Joost…“
Nie wieder Probleme im Heimhandwerk und auf der Baustelle. Brötchen schmieren stellt dann sicher eine Schwierigkeit dar, aber vielleicht ist das Glück auf unserer Seite und wir lernen eine Herzensdame kennen, die anstatt Händen Klappmesser hat.

NoGo!!!

>> Bike Age @ Bandcamp

Interview: The Maladro!ts / Fotos: XembraceX, Felix Walther & Bike Age

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